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By Franz Maciejewski

'Dr Sigm Freud u Frau', schrieb Freud in das Gästebuch des motels Schweizerhaus, als er dort im August 1898 mit seiner Schwägerin Minna Bernays logierte. Franz Maciejewski, der Entdecker dieses ominösen Eintrags, führt den Leser zurück nach Maloja, den Ort des Geschehens. Vor der historischen Kulisse eines mondänen Alpentourismus wird er zum Ausgangspunkt einer Zeitreise in die Vergangenheit. Der Autor konfrontiert uns mit der Gestalt eines weithin unbekannten Freud, der in der Minna-Affäre den Bahnen eines alten Beziehungsdramas gefolgt ist: Lebensumstände des 'reisenden Freud', die nicht ohne Einfluss auf den 'schreibenden Freud' geblieben sind. Die Geschichte der Entdeckung des entsprechenden Hoteleintrags ist der Anfang eines großen Erzählbogens, der sich gerade nicht als chronique scandaleuse versteht, sondern auf sehr freudianische Weise nach den Hintergründen fragt und den Leser zu einer Zeitreise in die Vergangenheit einlädt. Franz Maciejewski begreift die tiefen Eindrücke, die Freud auf jener Engadiner Reise u. a. in subtilen Begegnungen mit C.F. Meyer und G. Segantini empfangen hat, als Teil der szenischen Abfolge eines Lebensweges, der durch ein frühzeitig erworbenes Beziehungsmuster geprägt struggle. Im Gegenlicht des Schrillen wird der Leser mit der Gestalt eines noch weithin unbekannten Freud konfrontiert, der in der Minna-Affäre in den Spuren einer infantilen Episode wandelte, die viele Jahre später in der engen Beziehung zu seiner Tochter Anna eine weitere Wiederauflage erfahren sollte.

AUTORENPORTRÄT Franz Maciejewski, Dr. phil., geboren 1946, Soziologe mit Ausbildung in Psychoanalyse, ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen in den Bereichen Kulturund Gedächtnisgeschichte der Moderne, Ethnopsychoanalyse und Freud-Biographie sowie Holocaust und Antisemitismusforschung. Freier Autor. Letzte Buchpublikation: »Der Moses des Sigmund Freud. Ein unheimlicher Bruder« (2006).

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Es ist, als habe Freud, diesem gewieften Traumdeuter und Liebhaber von Detektivgeschichten, das eigene Unbewusste immer wieder ein Schnippchen geschlagen. So wie es dem Unbewussten in der Traumarbeit gelingt, sich gegen die Zensur verpönter Triebregungen zumindest teilweise durchzusetzen, und bekanntlich speedy jeder Mörder unter dem Einfluss eines unbewussten Strafbedürfhisses Spuren hinterlässt, welche die Aufdeckung der Tat ermöglichen, so hat auch Freud seine eigene Absicht immer wieder wie absichtslos konterkariert. Die Konsequenz für den in Rede stehenden Fall muss lauten: Wir dürfen davon ausgehen, dass die Rahmenhandlung der Wirklichkeit entspricht. Freud hat tatsächlich eine Wagenfahrt in die Herzegowina unternommen und ist unterwegs im Gespräch mit einem Zufallsbekannten auf Bilder zu sprechen gekommen, wobei er den Namen eines Malers, von dem er erzählen wollte, vergaß. Die von Freud mitgeteilte Namensfolge – Signorelli, Botticelli, Boltraffio – sieht dagegen im Lichte der Swales’schen Entdeckung in der Galleria Morelli wie eine Übermalung aus. Um den Sachverhalt aufzuklären, bietet sich – Ironie der Geschichte – gerade die von Freud gelobte �Methode Morelli« an: das Verfahren, das Verborgene �aus geringgeschätzten oder nicht beachteten Zügen zu erraten«. Den ersten verdeckten Fingerzeig für ein erneutes Aufrollen des Hergangs gibt Freud mit einer eigentümlichen Randnotiz: �Da ich auf der Reise keinen Zugang zu Nachschlagebüchern hatte, musste ich mir diesen Ausfall der Erinnerung und die damit verbundene, mehrmals am Tage wiederkehrende innere Qual durch mehrere Tage gefallen lassen, bis ich mit einem gebildeten Italiener zusammentraf, der mich durch die Mitteilung des Namens Signorelli befreite. «14 Da die Fahrt in die Herzegowina ein Tagesausflug warfare, hat Freud noch am selben Abend seine Frau in Ragusa wiedergetroffen. Wir müssen ihn additionally so verstehen, dass er Martha nicht ins Vertrauen zog und sich über mehrere Tage (das heißt während des Aufenthaltes in Ragusa, Cattaro und Spalato) mit dem unerlösten Geist des Signorelli quälte. Aber warum? Warum hat Freud nicht umstandslos seine Frau nach dem Namen des großen Malers von Orvieto gefragt? Martha, die besser als jedes Nachschlagewerk in der Lage gewesen wäre, ihn von seiner Qual zu befreien, weil er ihr nur ein Jahr zuvor in überschwänglichen Worten von den �Bildern Signorellis« geschrieben und von der Reise mitgebrachte Kunstdrucke gezeigt hatte? Ein entsprechendes Nachfragen (»Sag mal, kannst du dich an den Namen des Malers von Orvieto erinnern? Er wollte mir heute partout nicht einfallen. «) hätte für Martha völlig harmlos erscheinen müssen. Dem Namen des Künstlers wie dem Namen des Ortes, den Freud im September 1897 in Begleitung seines Bruders Alexander sowie eines befreundeten Arztes, Felix Gattel, besucht hat, haftet gerade nichts Verfängliches an. Freuds Schweigen darf somit als erster Hinweis darauf verstanden werden, dass möglicherweise der identify eines ganz anderen Malers im Spiel gewesen ist; ein identify, den Martha entweder nicht kennen konnte (so dass sich ein Nachfragen erübrigte) oder – und das ist sicherlich der wahrscheinlichere Fall – dessen Nennung aufseiten Marthas zu Irritationen geführt (und Freud in Erklärungsnotstand gebracht) hätte.

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